Hochkarätiges in Köln: Der Club wird 50


Schöner können Sorores ihre Gäste nicht empfangen: am Deutzer Rheinufer, mit der Bilderbuchkulisse von Dom und Altstadt im magischen Sommerabendlicht. So stellt sich gleich das Kölsch-feeling ein, nachdem verschiedene Führungen schon Gelegenheit zu tieferem Einblick in Geschichte und Gegenwart der Stadt gegeben hatten.

„Frauen, Familie, Gesellschaft“ – die Kölnerinnen spannten zu diesem Thema einen weiten Bogen über ein halbes Jahrhundert Frauengeschichte und -geschichten. Eingebettet in ein fröhliches Fest: eine kraftvolle Kombination.

Mehr als 200 Sorores aus elf Ländern feierten zusammen vom 1. bis 3. Juni 50 Jahre Club Köln, heute der größte deutsche Club. Präsidentin Adelheid Rahmen-Weyer freute sich, große Delegationen aus den Links in Liverpool, Chalon-sur-Saone und Nijmegen begrüßen zu können. Die gute Stube der Stadt, der historische Gürzenich, war der angemessene Ort der Jubiläumsveranstaltung.

Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes begrüßte zum Festakt. Sie konnte sich den Hinweis nicht versagen, dass seit den Zeiten der Gründerin Agrippina schon immer starke Frauen innerhalb der Stadtmauern wirkten und folglich Köln vor Düsseldorf einen Soroptimist-Club gegründet hat. DU-Präsidentin Beate Speicher betonte die Notwendigkeit eines Gesamtkonzepts für unsere Gesellschaft mit Chancengleichheit für Frauen und Männer in der Erwerbs- und Familienarbeit und warb für Familienfreundlichkeit als Erfolgsfaktor klug geführter Unternehmen. Adelheid Rahmen-Weyer lud zum feierlichen Anlass zur Geburtstags-Kerzenzeremonie ein. In ihrem Festvortrag stellte die Historikerin Barbara Stambolis die Geschichte weiblicher Serviceclubs vor.

Die Gäste sollten viel erfahren über die Anfänge, den Fortgang und die heutige Realität des Clubs. Klara van Eyll präsentierte die Gründung und ersten Jahre der Clubhistorie. In den Lebensmodellen von drei Kölner Soroptimistinnen, temperamentvoll moderiert von Kathy Kaaf, Unionspräsidentin 1995-97, wird Frauengeschichte aus drei Generationen lebendig. Prof. Tiny Wirtz, hochdekorierte und gefeierte Pianistin, zählt zur Gründergeneration des Clubs. Die mittlere Generation stellt die Ärztin Dr. Brigitte Hengesbach-Bürglen dar. Die dritte im Bunde ist die junge Alex Constanze Steinmann, Investment-Analystin, international operierend, mit großem Ehrgeiz und ebensolchen Karrierechancen. Alle drei Frauen überzeugt als starkes Moment die Internationalität von SI, die Freude am sozialen Netzwerk und das farbige Bild bei Berufen und Temperament der Sisters.

Weiter zum Generalthema: „Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, ebenfalls unter der geschickten Regie von Kathy Kaaf. Drei Professorinnen, die sich in einer männerdominierten Wissenschaftswelt an den deutschen Universitäten mit Erfolg behaupten, die mit ihrer Macht und ihrer Verantwortung intelligent umgehen. Alle haben neben ihrem zeit- und energieaufwändigen Beruf auch Kinder erzogen. Helga Rübsamen-Waigmann ist Professorin für Biochemie und Virologie an der Uni Frankfurt/Main und Geschäftsführerin der AiCuris GmbH, einer Bayer-Ausgründung. Barbara Dauner-Lieb hat den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und Europäische Privatrechtsentwicklung an der Universität Köln inne. Maria Leptin lehrt und forscht als Professorin für Entwicklungsgenetik an der Uni Köln. Alle drei Frauen fordern von sich hundertprozentige Präsenz und Spitzenleistung für die Wissenschaft. Der Balanceakt zwischen Beruf und Familie ist bei allen gelungen, wenn auch oft mit schlechtem Gewissen. Alle bekennen - auf Nachfrage aus dem Publikum - einen hohen persönlichen Preis gezahlt zu haben, nämlich bei Nähe zu den Kindern in dieser Familienphase den weitgehenden Verzicht auf Freizeit und Lebenskultur. Auch von Alltagssorgen und Familienstress können sie ein Lied singen, trotz guter familiärer Netzwerke und finanzieller Beweglichkeit. Sie fordern unisono bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Arbeitgeber und Staat, über Krippenplätze hinaus, z.B. steuerliche Privilegien für Frauen. Nur ein kleiner Teil von Nachwuchswissenschaftlerinnen - so die einhellige Meinung - zeige heute die Einsatzbereitschaft, den Enthusiasmus und die Zielstrebigkeit zu einer steilen Karriere mit gleichzeitigem Mut zu Kindern.

Damit hervorragende Talente nicht verloren gehen, unterstützt Club Köln die Stiftung der Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, die begabte junge Wissenschaftlerinnen mit Kindern fördert, um ihnen die für eine wissenschaftliche Karriere notwendige Freiheit und Mobilität zu verschaffen. Auf Empfang und Galadinner mit Jazz und Performances folgte am nächsten Tag, am Sonntagmorgen, der fulminante Schlussakkord mit einem Konzert im Museum für Angewandte Kunst, im Schatten des Doms. "Musik aus Mittelalter & Gegenwart" mit den GEDOK-Künstlerinnen Dorothée Hahne und Prof. Dorothee Oberlinger, bot u.a. als Uraufführung die Auftragskomposition des Clubs Köln, "Luscinia" für Blockflöten, Nachtigallenstimmen und Live-Elektronik, erläuternd kommentiert von der Komponistin Hahne selbst. Die zum Hochamt läutenden Glocken des Kölner Doms verschmolzen mit den Glockenklängen der Live-Elektronik, ein Erlebnis mit mystischem Flair.

Josefine Stevens,
Frankfurt am Main

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